
Die Art, wie Menschen bei Google suchen, verändert sich spürbar. Statt einzelner Schlagwörter wie „Webdesign Koblenz“ oder „SEO Agentur“ werden Suchanfragen länger, konkreter und zunehmend so formuliert, wie man auch mit ChatGPT oder anderen KI-Systemen sprechen würde.
Eine aktuelle Auswertung von Google-Ads-Suchanfragen zeigt: Dieser Trend hat sich seit Anfang 2025 nicht nur fortgesetzt, sondern deutlich beschleunigt. Besonders interessant ist dabei, dass längere Suchanfragen nicht nur mehr Impressionen erhalten – sie gewinnen auch massiv bei den Conversions.
Das hat Konsequenzen für Google Ads, SEO und die gesamte Content-Strategie.
Von zwei Keywords zur vollständigen Frage
Über viele Jahre funktionierte die Google-Suche nach einem relativ einfachen Prinzip. Nutzer reduzierten ihr Anliegen auf wenige Begriffe:
„webdesign koblenz“
„zahnarzt mayen“
„ferienhaus frankreich pool“
„google ads agentur“
Mit ChatGPT, Gemini und anderen KI-Systemen lernen Nutzer inzwischen ein anderes Verhalten. Sie formulieren ihr tatsächliches Anliegen wesentlich genauer:
„Welche Webdesign Agentur in Koblenz übernimmt auch SEO und Google Ads?“
oder:
„Was kostet eine professionelle Website für ein mittelständisches Unternehmen inklusive SEO?“
Google selbst fördert diese Entwicklung mit dem AI Mode. Die KI-Suche wurde ausdrücklich dafür entwickelt, komplexere Fragen zu verstehen und anschließend weitere Rückfragen zu ermöglichen.
Und dieses Verhalten scheint zunehmend auf die klassische Google-Suche abzufärben.
Kurze Suchanfragen verlieren massiv an Bedeutung
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Anteil der Impressionen.
Nach den von Search Engine Land ausgewerteten Google-Ads-Daten entfielen im Januar 2025 noch rund 42 Prozent der Impressionen auf Suchanfragen mit nur ein oder zwei Wörtern.
Im August 2026 waren es nur noch 24 Prozent.
Gleichzeitig haben Suchanfragen mit drei bis vier Wörtern stark zugelegt: Ihr Anteil stieg im gleichen Zeitraum von 33 auf 48 Prozent. Damit bilden sie inzwischen den größten Bereich der untersuchten Suchanfragen.
Das ist eine bemerkenswerte Verschiebung innerhalb von weniger als zwei Jahren.
Die Suche wird nicht einfach länger – sie wird genauer
Entscheidend ist dabei nicht die reine Wortanzahl.
Eine längere Suche enthält meistens mehr Informationen über das eigentliche Bedürfnis des Nutzers.
Aus:
„Laufschuhe“
wird beispielsweise:
„bequeme Laufschuhe für lange Strecken“
und aus:
„Webdesign Koblenz“
vielleicht:
„Webdesign Agentur Koblenz für neue Firmenwebsite mit SEO“
Für Suchmaschinen und Werbetreibende steckt darin wesentlich mehr Kontext.
Der Nutzer verrät bereits, was er sucht, wo er sucht, welche Anforderungen er hat und teilweise sogar, wie weit er in seiner Kaufentscheidung fortgeschritten ist.
Besonders spannend: Auch die Conversions wandern in den Long Tail
Für Unternehmen ist allerdings noch eine andere Entwicklung wichtiger.
Nicht nur die Impressionen verschieben sich zu längeren Suchanfragen. Auch die Conversions folgen diesem Trend.
In den ausgewerteten Daten stieg der Conversion-Anteil der Suchanfragen mit drei bis vier Wörtern von ungefähr 20 auf 46 Prozent.
Auch noch längere Suchanfragen gewinnen deutlich:
- 5–6 Wörter: von etwa 3 auf 9 Prozent
- 7 oder mehr Wörter: von etwa 1 auf 4 Prozent
Gleichzeitig entwickelt sich die Conversion Rate längerer Suchanfragen positiv, während sie bei sehr kurzen Suchanfragen zurückgeht.
Das passt zu einem bekannten Prinzip im Suchmaschinenmarketing: Je konkreter eine Suche wird, desto klarer ist häufig die Absicht dahinter.
Der Unterschied ist, dass solche detaillierten Suchanfragen inzwischen wesentlich häufiger auftreten.
ChatGPT verändert indirekt auch Google
Interessant an dieser Entwicklung ist, dass sie nicht ausschließlich innerhalb von Google entstanden sein dürfte.
Millionen Nutzer haben sich daran gewöhnt, mit KI-Systemen in natürlicher Sprache zu kommunizieren.
Bei ChatGPT würde kaum jemand schreiben:
„hotel italien pool hund“
Stattdessen lautet die Frage eher:
„Kannst du mir ein familienfreundliches Hotel in Norditalien mit Pool empfehlen, in dem Hunde erlaubt sind?“
Genau diese Art der Kommunikation übertragen Nutzer zunehmend auf andere Suchsysteme.
Google reagiert darauf wiederum mit AI Overviews und AI Mode. AI Mode ist ausdrücklich darauf ausgelegt, umfangreichere und komplexere Fragestellungen zu bearbeiten und Folgefragen zu ermöglichen.
Es entsteht damit eine Art Rückkopplung:
KI verändert das Suchverhalten – und Suchmaschinen passen sich an dieses neue Verhalten an.
Wichtig ist allerdings: Die ausgewerteten Google-Ads-Daten zeigen eine deutliche zeitliche Entwicklung, beweisen aber nicht, dass AI Mode allein deren Ursache ist. Auch ChatGPT, Gemini und die generell zunehmende Nutzung generativer KI dürften daran beteiligt sein.
Was bedeutet das für Google Ads?
Für Google-Ads-Kampagnen wird diese Entwicklung besonders interessant.
Die Zeiten, in denen sich eine Kampagne fast ausschließlich um einige wenige Zwei-Wort-Keywords drehte, werden zunehmend schwieriger.
Natürlich bleiben Keywords wichtig. Aber entscheidender wird, welche Suchintention Google hinter einer Anfrage erkennt.
Statt ausschließlich Keywords wie
„webdesign koblenz“
„homepage agentur“
„website erstellen“
zu betrachten, sollte man sich deshalb stärker fragen:
Welche konkreten Probleme und Fragen haben potenzielle Kunden kurz vor einer Anfrage?
Zum Beispiel:
„wer erstellt professionelle websites für handwerksbetriebe“
„webdesign agentur koblenz inklusive seo“
„was kostet eine neue firmenwebsite“
„agentur für website relaunch und google optimierung“
„beste webdesign agentur für mittelständische unternehmen“
Genau hier gewinnen Broad Match, Smart Bidding und Googles KI-basierte Ausspielung zunehmend an Bedeutung.
Das bedeutet allerdings nicht, Google einfach völlig freie Hand zu lassen.
Im Gegenteil: Je stärker Google selbst interpretiert, desto wichtiger werden sauberes Conversion-Tracking, gute Landingpages und eine regelmäßige Kontrolle der tatsächlichen Suchbegriffe.
Negative Keywords werden wichtiger, nicht unwichtiger
Wenn Google Anzeigen auf immer mehr Varianten natürlicher Sprache ausspielt, wächst gleichzeitig das Risiko irrelevanter Suchanfragen.
Deshalb sollten Werbetreibende regelmäßig überprüfen, über welche tatsächlichen Suchbegriffe ihre Anzeigen ausgeliefert werden.
Besonders wichtig sind dabei negative Keywords für Suchabsichten wie beispielsweise:
„kostenlos“
„Vorlage“
„selber machen“
„Job“
„Ausbildung“
„Gehalt“
wenn diese nicht zum eigenen Angebot passen.
Die Zukunft von Google Ads besteht deshalb nicht darin, weniger zu kontrollieren.
Sie besteht darin, weniger einzelne Keywords und stärker die Qualität der Suchintention zu kontrollieren.
Was bedeutet die Entwicklung für SEO?
Für SEO ist die Entwicklung mindestens genauso relevant.
Klassische Keyword-Recherche bleibt wichtig. Aber eine Seite ausschließlich auf ein Hauptkeyword und einige Varianten davon zu optimieren, greift immer häufiger zu kurz.
Ein modernes Thema sollte unterschiedliche Fragen und Suchintentionen abdecken.
Eine Seite zum Thema „Webdesign Koblenz“ könnte unter anderem zusätzlich beantworten:
Was kostet eine professionelle Website?
Wie lange dauert die Erstellung?
Welches CMS eignet sich?
Ist SEO bereits beim Webdesign wichtig?
Was kostet die laufende Betreuung?
Wann lohnt sich ein Relaunch?
Was unterscheidet eine individuelle Website von einem Baukastensystem?
Damit entsteht Content, der nicht nur für traditionelle Google-Suchen funktioniert, sondern auch für AI Overviews, AI Mode und andere KI-basierte Suchsysteme besser interpretierbar ist.
Genau an dieser Stelle nähern sich SEO und GEO – Generative Engine Optimization – immer stärker aneinander an.
Zwei Praxisbeispiele von module23
Wie sich diese Entwicklung in der Praxis auswirkt, sehen wir auch bei Kundenprojekten von module23.
Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, für ein einzelnes Keyword gute Google-Rankings zu erzielen. Ziel ist zunehmend, eine Website so aufzubauen, dass Suchmaschinen und KI-Systeme möglichst eindeutig verstehen, für welche Themen, Leistungen und konkreten Nutzerfragen ein Unternehmen relevant ist.
Fallbeispiel 1: Kundstrestauration – vom klassischen SEO zum klaren Themenprofil
Bei einem Kunden stand im Rahmen eines Relaunchs nicht nur die klassische Suchmaschinenoptimierung im Vordergrund. Entscheidend war, die Leistungen, Fachgebiete und Inhalte so zu strukturieren, dass auch komplexere Suchanfragen eindeutig beantwortet werden können.
Statt Leistungen lediglich über einzelne Keywords abzubilden, wurden Themenbereiche klar voneinander getrennt, Inhalte fachlich präzisiert und typische Fragestellungen potenzieller Auftraggeber stärker berücksichtigt. Gleichzeitig wurden Seitenstruktur, Überschriften, interne Verlinkung und technische SEO-Grundlagen überarbeitet.
Das Ergebnis ist eine Website, bei der Suchmaschinen wesentlich besser erkennen können, welche restauratorischen Leistungen angeboten werden, für welche Objekte sie relevant sind und welche Expertise dahintersteht.
Genau diese Klarheit ist auch für KI-Suchsysteme wichtig. Denn wer beispielsweise nicht mehr nur nach „Restaurator Gemälde“ sucht, sondern fragt:
„Wer restauriert historische Gemälde und Kunstobjekte fachgerecht?“
liefert der Suchmaschine wesentlich mehr Kontext.
Eine Website muss diesen Kontext ebenfalls eindeutig liefern können.
Fallbeispiel 2: Lokaler Dienstleister – Sichtbarkeit über konkrete Nutzerfragen ausbauen
Bei einem weiteren Kundenprojekt aus dem Dienstleistungsbereich lag die Herausforderung darin, dass die Website zwar zu einigen klassischen Leistungsbegriffen gefunden wurde, viele konkrete Suchintentionen potenzieller Kunden aber nicht ausreichend abgedeckt waren.
module23 hat die Inhalte deshalb stärker aus Sicht der Nutzer aufgebaut. Neben den eigentlichen Leistungsseiten wurden typische Fragen, regionale Bezüge, konkrete Einsatzbereiche und Entscheidungskriterien integriert.
Aus einer allgemeinen Leistungsbeschreibung entsteht dadurch beispielsweise nicht nur eine Seite zum Thema:
„[Leistung] Koblenz“
sondern eine Informationsquelle, die zusätzlich Fragen beantworten kann wie:
„Welcher Anbieter übernimmt [Leistung] im Raum Koblenz?“
„Was kostet [Leistung] für ein Einfamilienhaus?“
„Wie läuft [Leistung] ab und worauf sollte man achten?“
Dadurch entstehen zusätzliche Einstiegspunkte für klassische Google-Suchen und gleichzeitig Inhalte, die von KI-Systemen wesentlich leichter als konkrete Antwort auf eine Nutzerfrage eingeordnet werden können.
Für uns zeigt sich bei solchen Projekten immer wieder: Mehr KI-Sichtbarkeit entsteht nicht durch einen speziellen Trick oder ein zusätzliches „KI-Keyword“. Sie entsteht vor allem durch bessere Inhalte, klare Strukturen und eine eindeutig erkennbare fachliche Positionierung.
SEO und GEO wachsen zusammen
Diese Beispiele zeigen auch, warum wir bei module23 klassische Suchmaschinenoptimierung inzwischen stärker mit GEO – Generative Engine Optimization – zusammendenken.
Technische SEO, gute Inhalte und eine saubere Seitenstruktur bleiben die Grundlage.
Hinzu kommen jedoch neue Fragen:
Versteht eine KI eindeutig, was ein Unternehmen anbietet?
Kann sie Leistungen bestimmten Problemen und Nutzerfragen zuordnen?
Sind Aussagen konkret genug, um als Antwort verwendet zu werden?
Und wird auf der Website nachvollziehbar deutlich, warum genau dieses Unternehmen für ein Thema relevant ist?
Wer diese Fragen bereits bei der Konzeption einer Website berücksichtigt, optimiert nicht nur für die heutige Google-Suche, sondern gleichzeitig für eine Suchwelt, in der klassische Ergebnisse, AI Overviews, AI Mode und KI-Assistenten immer stärker zusammenwachsen.
Inhalte müssen konkrete Antworten liefern
Die Entwicklung hat noch eine weitere Konsequenz.
Wenn Suchanfragen detaillierter werden, werden auch oberflächliche Texte weniger hilfreich.
Wer beispielsweise nach
„welche webdesign agentur in koblenz bietet webdesign und seo aus einer hand“
sucht, erwartet keine 1.500 Wörter allgemeine Erklärung darüber, warum eine Website wichtig ist.
Er erwartet eine konkrete Antwort.
Unternehmen sollten deshalb Inhalte erstellen, die tatsächliche Fragen ihrer Kunden beantworten.
Dazu gehören unter anderem Leistungen, Preise oder Preisrahmen, Abläufe, Unterschiede, Vor- und Nachteile, Beispiele, Erfahrungen und konkrete Entscheidungshilfen.
Nicht mehr:
„Wir bieten individuelles Webdesign für Unternehmen.“
Sondern beispielsweise:
„Wir entwickeln Websites für Unternehmen auf Basis von Contao und verbinden Webdesign, technische Umsetzung, SEO und Google Ads innerhalb eines Projekts.“
Das liefert einer Suchmaschine – und einer KI – deutlich mehr Kontext.
Die klassische Keyword-Recherche verschwindet nicht
Trotzdem wäre es falsch, jetzt das Ende des Keywords auszurufen.
Google Ads basiert weiterhin auf Keywords und auch SEO benötigt Begriffe, Themen und Suchvolumen als Orientierung.
Was sich verändert, ist ihre Rolle.
Ein Keyword wie „Webdesign Koblenz“ ist künftig weniger das vollständige Ziel einer Optimierung als vielmehr der Einstieg in ein größeres Themenfeld.
Darum herum entstehen zahlreiche konkretere Suchintentionen.
Man könnte es so formulieren:
Das Keyword bleibt. Aber die eigentliche Suche findet zunehmend rund um das Keyword statt.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Für Unternehmen und Agenturen ergeben sich daraus einige konkrete Maßnahmen:
- Suchbegriffe in Google Ads regelmäßig analysieren. Nicht nur auf einzelne Keywords schauen, sondern darauf, wie sich Formulierungen und Suchintentionen verändern.
- Long-Tail-Anfragen ernst nehmen. Lange Suchanfragen haben zwar einzeln weniger Volumen, können zusammen aber einen erheblichen Anteil der Conversions erzeugen.
- Landingpages thematisch breiter aufbauen. Nicht künstlich Keywords wiederholen, sondern relevante Fragen eines Interessenten beantworten.
- Conversion-Tracking sauber einrichten. Je stärker Google automatisiert, desto wichtiger ist es, dem System die richtigen Ziele vorzugeben.
- Content für Menschen und Maschinen verständlich strukturieren. Klare Überschriften, eindeutige Aussagen, FAQs, konkrete Leistungen und nachvollziehbare Zusammenhänge helfen klassischer Suche ebenso wie KI-Systemen.
Fazit: Wir suchen zunehmend so, wie wir mit KI sprechen
Die aktuellen Zahlen zeigen eine Entwicklung, die weit über eine kleine Veränderung bei Google Ads hinausgeht.
Menschen gewöhnen sich daran, Maschinen nicht mehr mit einzelnen Suchbegriffen zu bedienen, sondern ihnen ihr tatsächliches Anliegen zu erklären.
Google passt seine Suche genau daran an.
Für SEO und SEA bedeutet das einen Paradigmenwechsel: Weniger Fokus auf das isolierte Keyword – mehr Fokus auf Kontext, Intention und konkrete Fragen.
Unternehmen, die verstehen, welche Fragen ihre potenziellen Kunden wirklich stellen, haben deshalb einen immer größeren Vorteil.
Denn die Zukunft der Suche könnte weniger darin bestehen, das perfekte Keyword zu finden.
Sondern darin, die beste Antwort auf eine sehr konkrete Frage zu liefern.
